Arne Jansen, Anders Jormin, Uwe Steinmetz: The Pilgrimage am 21.11.2026 Kulturforum Schwimmhalle Schloss Plön
Man muss es als eine glückliche Fügung des Himmels bezeichnen, dass diese drei Musiker
zusammengefunden haben: Am Kontrabass der Schwede Anders Jormin, einer der
wichtigsten Tieftöner der europäischen Jazz-Szene mit acht Alben als Bandleader für ECM
und einer prallvollen künstlerischen Vita mit Touren und Aufnahmen an der Seite von
Legenden wie Elvin Jones, John Taylor, Albert Mangelsdorff, Joe Henderson, Lee Konitz oder
Kenny Wheeler. An der Gitarre Arne Jansen, der zweifach mit dem „ECHO Jazz“
ausgezeichnete Berliner, der mit dem senegalesischen Orchestra Baobab, David Helbock,
Sebastian Studnitzky oder Jazzanova spielte und dessen Duo-Aufnahme mit Nils Wülker
unlängst sogar auf Platz 15 der deutschen Pop-Charts kletterte. Am Saxofon der ebenfalls in
Berlin lebende Uwe Steinmetz, der sich neben seiner Zusammenarbeit mit u.a. Joe Maneri
oder Tord Gustavsen einen Namen als Komponist für die NDR Bigband oder das Fitzwilliam
String Quartet machen konnte.
Erstmals trat das deutsch-schwedische Trio 2016 in der Kathedrale in Göteborg im Rahmen
eines nordischen Kirchenmusikfestivals auf. Sofort war klar, dass es eine spezielle
Verbindung zwischen den drei Musikern gibt. Eine in dieser Form nicht oft zu beobachtende
Gleichgestimmtheit, die auch die gemeinsame Tournee des Trios im Herbst 2022 prägte –
und im besonderen Maße das Abschlusskonzert in der Waldkirche am Timmendorfer Strand
am 22. Oktober.
Nicht umsonst trägt das aus dem Live-Mitschnitt entstandene Album nun den Titel „The
Pilgrimage“. Zum einen, weil es mit „La Peregrinacion“ beginnt, einem Pilgerlied des
Argentiniers und „Misa Criolla“-Komponisten Ariel Ramirez. Zum anderen, weil Jansen,
Jormin und Steinmetz in ihren zwischen Jazz, Klassik, nordischer und außereuropäischer
Folklore wandelnden Stücken den Urgründen eines universellen menschlichen Phänomens
nachspüren. „Pilgerfahrten sind Bestandteil aller großen Religionen in der Welt“, sagt Bassist
Jormin. „Ich denke, als Musiker ist es dein Ziel, Kontakt zu diesem tieferen Sinn herzustellen.
Im besten Fall ist man ein Gefäß dafür, ein Resonanzboden, der mit dem Publikum und den
anderen Musikern schwingt“, ergänzt Gitarrist Jansen.
Dass es dem Trio auf „The Pilgrimage“ so hervorragend gelingt, das Innere der Zuhörenden
zum Klingen zu bringen, liegt auch an der speziellen Beschaffenheit der gespielten
Kompositionen. Hinter jedem Stück verbirgt sich eine höchst persönliche Geschichte, die die
Weltläufigkeit der drei Musiker reflektiert. Das gilt im besonderen Maße für den Berliner
Saxofonisten Steinmetz, auf dessen Initiative sich das Trio 2016 formierte. Steinmetz ist ein
unermüdlicher Wanderer auf der Suche nach den Verbindungslinien zwischen sakraler Musik
und dem Jazz, dessen Studien ihn praktisch einmal rund um die Welt geführt haben. Von ihm
stammt unter anderem das auf einem Morgen-Raga basierende „The Promise“, das unter
dem Eindruck eines Indien-Aufenthalts entstand, und das ostinat tänzelnde „New Flower“.
Letzteres schrieb Steinmetz, als er 2008 in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba
unterrichtete und das Gefühl von Optimismus in einem Land einfangen wollte, das schon
bald in Bürgerkriegsunruhen versinken sollte. „Dieses Stück erinnert mich daran, wie wichtig
es ist, den Moment zu feiern“, erklärt der Komponist, der bei der Live-Darbietung der
Nummer ausgesprochen intensive Linien auf seinem Sopran bläst.