© Anne Weise_Fine Art Fotografie

Eutiner Persönlichkeiten

Johann Heinrich Voß, Carl Maria von Weber und Co.

Berühmtheiten aus und in Eutin

Eutin zog vor allem um 1800 viele Künstler und Persönlichkeiten in seinen Bann. Unter Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg, bekannt als „Vater von Eutin“, blühte das Städtchen kulturell auf, denn er holte eine Vielzahl Künstler und Gelehrte an den Hof wie Johann Heinrich Voß, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Friedrich Heinrich Jacobi, Graf Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg und Friedrich Gottlieb Klopstock. Eutins berühmtester Sohn ist zweifelsfrei der Komponist der Oper „Der Freischütz“ Carl Maria von Weber. Außerdem in Eutin geboren wurden der Schauspieler Axel Prahl (Tatort-Kommissar Thiel), Regisseur Vadim Glowna (Der Alte), der Maler Daniel Richter oder der Schauspieler Ludwig Haas.

Eutiner Persönlichkeiten 

Johann Heinrich Voß

Die Übersetzung der Homer´schen Odyssee ist eine seiner bekanntesten Leistungen, aber auch eigene literarische Werke machten den Denker bekannt. Er wurde 1782 durch Vermittlung des Grafen Stolberg als Rektor an die Eutiner Gelehrtenschule berufen. Voß wohnte in der Hofapotheke, im ehem. Witwenpalais und in der Wasserstraße bevor er ins später „Voß-Haus“ getaufte Gebäude einzog. Voß widmete sein Leben seinen literarischen Arbeiten, Gedichten, Übersetzungen und antiquarischen Forschungen. 1784-1802 erlebte er in Eutin seine Hauptschaffenszeit. Goethe schätze seine Kennerschaft antiker Metrik und deren Übertragung ins Deutsche. Von seinen selbst geschriebenen Oden, Liedern und Idyllen finden sich insbesondere in der „Luise“ zahlreiche Landschaftsteile der Holsteinischen Schweiz wieder. Wenn auch eine seiner einstigen Wirkungsstätten heute Carl Maria von Weber-Schule heißt, so steht seine Büste doch vor dem Portal – und eine J. H. Voß-Schule gibt es außerdem. Hin und wieder war Voß zusammen mit anderen wichtigen Persönlichkeiten der Stadt an die Tafel ins Schloss geladen, von Zeit zu Zeit soll er auch mit dem Herzog durch den Schlosspark geschlendert sein. Später ging er nach Jena und Heidelberg, wo er am 29.3.1826 verstarb.

Carl Maria von Weber

Eutins berühmtester Sohn ist zweifelsfrei der Komponist der Oper „Der Freischütz“. Alles begann in der Lübecker Straße 48, wo noch heute das Geburtshaus Webers steht, ein zweigeschossiges Fachwerkhaus aus dem 18. Jh. Webers genaues Geburtsdatum ist umstritten (18. oder 19.11.), seine Taufe fand am 20.11.1786 in der Eutiner Schlosskapelle statt und ist im Eutiner Kirchenbuch belegt. Kurios: Der Zweitname Maria wurde deutlich später eingefügt. Bald jedoch verließ der kleine Carl mit seinen Eltern, (Vater Franz war Musiker und Kapellmeister und hoffte am Eutiner Hof auf bessere Anstellung, Mutter Genovefa war Opernsängerin) die Stadt. Zweimal noch, in den Jahren 1802 und 1820, machte Weber auf Konzertreisen Station in Eutin. Anlässlich seines 125. Todestages finden seit 1951 ihm zu Ehren jährlich im Schlossgarten die Eutiner Festspiele statt – Opern-, Operetten- und Gala-Aufführungen mit über 40.000 Besuchern. Außerdem erinnert eine Bronzebüste im Weberhain an den berühmtesten Sohn der Stadt. Ein Relief auf der Rückseite zeigt eine Szene aus dem „Freischütz“. Weber ging später u.a. nach Breslau, Stuttgart, Prag und Dresden, wo seine Hauptwirkungsstätte lag. Die Uraufführung seiner Oper „Oberon“ führte ihn zuletzt nach London, wo er am 5.6.1826 an Tuberkulose verstarb. Dass Carl Maria von Weber auch ein bedeutender Schriftsteller war, ist kaum bekannt. Seine musikalischen und dramaturgischen Artikel fanden damals beim Publikum großes Interesse. Er war übrigens als Cousin von Mozarts Frau Constanze weitläufig mit diesem verwandt.

 

Graf Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg

Der Dichter, Übersetzer und Jurist Stolberg verfasste Oden, Balladen, Satiren, Dramen und Reisebeschreibungen, bevor er von 1791 bis 1800 Präsident der fürstbischöflichen Kollegien in Eutin wurde. Aufgrund seiner Aufsehen erregenden Konversion zum kath. Glauben reichte Stolberg sein Entlassungsgesuch beim Fürstbischof ein und ließ sich nach Kontroversen mit dem Eutiner Kreis (Voß, Jacobi, Nicolovius) in Lütkenbeck bei Münster nieder. Nach dem Tod seiner ersten Frau war er durch seine zweite Heirat finanziell unabhängig und widmete sich nur noch seinen religionsgeschichtlichen Interessen ohne ein Amt zu bekleiden. Nach ihm ist in Eutin die Stolbergstraße benannt, wo auch noch sein einstiges Wohnhaus steht. In der Landesbibliothek am Eutiner Schlossplatz ist die umfangreichste Sammlung Deutschlands über ihn zu finden.

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

Tischbein lebte als Galerist und Hofmaler des Oldenburger Herzogs von 1808 bis zu seinem Tode in Eutin, sein Grab findet sich auf dem Friedhof in der Plöner Straße. Er malte vor allem Landschaftsbilder, Historiengemälde und Stillleben. Außerdem entwarf er unter anderem Dekorationen für Friese, die auf später nach ihm benannten Öfen aus hiesigen Manufakturen zu sehen waren – „Tischbein-Öfen“ sind noch heute Kennern ein Begriff. Bei seinem ersten von mehreren Stipendiaten in Rom vollzog er nach einem intensiven Studium antiker Kunstwerke die Wende vom Stil des Rokokos zum Klassizismus. Tischbein verband zeitweise eine enge Freundschaft mit Johann Wolfgang von Goethe. Als er seinen Freund auf dessen „Italienischer Reise“ begleitete, entstand das wohl berühmteste Gemälde Tischbeins: Goethe in der Campagna – übrigens eines der meistparodierten Gemälde der Welt – das Goethe „hingegossen“ in der italienischen Landschaft zeigt. Unter anderem wurde es von Andy Warhol aufgegriffen und auch mit Donald Duck statt Goethe gezeichnet. Eine Gedenktafel über seinem ehemaligen Wohnhaus in der Stolbergstraße 8-10 erinnert an den Künstler, noch schöner aber ist: Im Gartenhaus und Garten dieses Hauses sind heute wieder Künstler aktiv. Einige seiner großformatigen Gemälde sind im Schloss und im Ostholstein-Museum ausgestellt, wo auch über sein Leben und Schaffen in Eutin berichtet wird. Zeitweise war er auch Direktor der heute noch bestehenden Kunstakademie in Neapel (Accademia di Belle Arti).

 

  • Gut zu wissen: In Eutin gibt es den Tischbein-Garten. Wer Fan des Hofmalers Wilhelm Tischbein ist, der sollte dem hübschen Garten zwischen Innenstadt und Schlossgarten unbedingt einen Besuch abstatten. 

01.07.2021
08.07.2021

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