Holsteinische Schweiz quer

Aus der Mitte der Holsteinischen Schweiz einmal nach Westen und einmal nach Osten geht diese 8-förmige Tour. Und soo schöne Pausenorte!

Eine Acht um Eutin
Eutin – Bosau – Dorf Berlin – Bordesholm – Preetz – Malente – Schönwalde – Lensahn – Neustadt

Tipp:
Hafen Neustadt
Chrome-Diner Lensahn
Holzbergturm Malente
Freilichtmuseum Molfsee
Dorf Berlin

Streckenlänge: 195 km

Fahrtzeit: 4,5 h

Streckenverlauf: zum Tourenportal

Kurzbeschreibung: Steckbrief

Roadbook: pdf-Datei

 

Kalte Nächte

Eine durchzugsstarke Maschine, warme Klamotten und heizbare Griffe sind mitzubringen, Seen, Hügel und Kurven sind reichlich vorhanden, deftige Holsteiner Kost gibt’s obendrauf. Herbstlicher Tourenspass in der Holsteinischen Schweiz.

Wenn die Quecksilbersäule die Nähe der Nullgradmarke sucht, zaubern die ersten kalten Herbstnächte mystische Stimmungen auf die Seen der Holsteinischen Schweiz: Träge ziehen Nebelschwaden über die dunklen Wasserflächen, bis sie von der aufgehenden Sonne zum Leuchten gebracht werden. Weil wir uns vor den anderen Gästen aus den Betten gequält haben, bekommen wir zur Belohnung dieses eindrucksvolle Naturschauspiel geboten. Danach geht’s an den reich gedeckten Frühstückstisch. Im Dodauer Forst, vor den Toren Eutins, steht die mächtige Bräutigamseiche, in ihr befindet sich ein Astloch, das wohl als Deutschlands ungewöhnlichster Briefkasten gelten kann: Kontaktanzeigen, Liebesbriefe oder Blind-Date-Nummern finden sich in der hölzernen Single-Börse. Heiratswillige Motorradreisende könnten so die beste Sozia der Welt finden – wie wär’s? Zurück auf dem Boden der Tatsachen, einer Aufmerksamkeit heischenden Treckertrasse nach Kreuzfeld, rollen wir wenig später durch Malente. Am Ortsausgang Richtung Grebin, genauer gesagt im Wald von Neversfelde, wartet ein Turm auf unseren Entdeckertrieb: Das hölzerne Bauwerk ragt weit über die Baumwipfel hinaus und beschert uns Fernsichten auf die im Sonnenlicht glitzernden Seen. Glitzernde Augen und ein breites Grinsen zaubern die dann folgenden, unzähligen Kurven unter unsere Helme, bis wir Lebrade erreichen. Die gewundene Landstraße stimuliert den Gleichgewichtssinn, der prompt nach mehr Kurven verlangt. Und die finden wir reichlich auf der spannenden Nebenstrecke am Preetzer Postsee entlang Richtung Flintbek. Wir befinden uns in der Kinderstube der Eider, die kurioserweise nicht in der nahen Kieler Förde, sondern in der weit entfernten Nordsee mündet. Genau wie die Eider kommen auch wir am Stadtrand von Bordesholm vorbei, bevor wir dann allerdings im großen Bogen nach Wankendorf kurven. Hier sind mächtige Einzylinder am Werk, die den Boden vibrieren lassen: Betagte Lanz Bulldogs, gut in Schuss, zeigen beim Schaupflügen, was sie drauf haben. Anschließend treiben wir die Bikes am Belauer See vorbei bis Schmalensee. Von dort aus windet sich ein schmales Teerband durch den Wald nach Stocksee am gleichnamigen See. Die vielen Gewässer und Moore verdanken wir übrigens dem Schmelzwasser der letzten Eiszeit. Wir steuern Kurs Süd. Nur wenige kleine Ortschaften bremsen unseren Vorwärtsdrang. Die Reifen schmiegen sich an den Asphalt, seine weiten Kurven können ohne Reue genossen werden. Bei einem kurzen Stopp entscheiden wir uns ganz spontan nach Berlin zu fahren. Schon wenige Minuten später erreichen wir den Potsdamer Platz, wo es, wie auch am Kurfürstendamm und Unter den Linden, mächtig nach Kuhmist riecht, das ist halt so im kleinen Berlin im Kreis Segeberg. Motorräder sind zum Reisen da, was liegt da näher, als im Windschatten eines Traktors ins Nachbardorf zu rasen. In Weitewelt sagen Fuchs und Hase sich noch persönlich Gute Nacht, auch hier ist kein Großstadtflair zu finden. Stadtbek liegt direkt am Großen Plöner See. Am Ufer gegenüber, acht Kilometer Luftlinie entfernt, leuchtet ein weißer Punkt, das Plöner Schloss. Von Bosau aus hüpfen wir über sanfte Hügel und an abgeernteten Feldern vorbei bis an den Rand der Rosenstadt Eutin. Bei Süsel lockt der fast 100 Meter hohe Gömnitzberg mit seinem Rundumblick auf die Holsteinische Schweiz und die nahe Ostsee. Im Hafen von Neustadt lassen wir uns leckere Fischbrötchen schmecken. Auf der Weiterfahrt sorgen die toten, aber recht salzigen Meeresbewohner für ordentlichen Durst, also machen wir Rast im Cafe Chrome in Lensahn, einem echten Bikertreff mit original amerikanischem Ambiente. Für den Heimweg planen wir, dem Bungsberg, der höchsten Erhebung  Schleswig-Holsteins, einen Besuch abzustatten. Stolze 168 Meter ragt der Gipfel über dem Meeresspiegel empor. Und wenn dort mal Schnee liegt, dann ist sogar ein Skilift in Betrieb. Der Berg ist ein „Nunatak“, er leistete einst den Gletschern der letzten Eiszeit enormen Widerstand, als Schleswig-Holstein mit einer mehrere hundert Meter dicken Eisschicht gepanzert war. Für eine Hand voll Euro lässt uns das Drehkreuz am Fernsehturm passieren, unserem Aufstieg steht nichts mehr im Wege. Oben angekommen, gilt es, die Atmung wieder zu normalisieren, bevor wir das leuchtende Herbstlaub zu unseren Füßen überhaupt wahrnehmen können. Anschließend sorgen wir auf dem Weg nach Kirchnüchel für eine frische Brise im Luftfilterkasten. Windschiefe Scheunen und  betagte Gutshäuser ziehen vorbei. Im Kurvenparadies bei Sielbeck am Kellersee stehen knorrige Eichen und Buchen Spalier. Und weil wir den kurzen Abstecher zum Jagdschlösschen am Ukleisee nicht scheuen, werden wir mit einem Blick auf den mitten im Wald gelegenen romantischen See belohnt. Der Gastronom Johannes Janus erfand den Namen „Holsteinische Der Gastronom Johannes Janus erfand den Namen „Holsteinische Schweiz“ im Jahre 1885 für sein Hotel am Kellersee, der bis heutige gültige Begriff für die Region war geboren. Bestimmt wurde damals in den Herbsttagen auch deftige Holsteiner Kost auf den Tisch gebracht: Rübenmus, Grünkohl, Karpfen oder Wild. Egal, ob Wein, Bier, mit oder ohne Alkohol - die dazu passenden Getränke finden wir in einer der urigen Kneipen Eutins, der „Kulturhauptstadt“ im Naturpark, oder in der Brauerei am historischen Marktplatz. Übrigens: Kalte Nächte bringen meist klare Tage. Aber auch zu jeder anderen Jahreszeit macht diese Tour viel Spaß.

Text & Fotos: Frank Sachau

Touren-Highlights
 

- Ganz selbstverständlich und völlig korrekt wirft der Postbote Briefe und Karten in das Astloch einer Eiche an der B 76 zwischen Eutin und Plön. Jeder, der möchte, kann die Schreiben dort entnehmen, lesen und beantworten. Die Anschrift für echte Romantiker lautet: Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin
- Im Malenter Ortsteil Neversfelde wurde vor wenigen Jahren direkt neben den Fundamenten des ehemaligen Bismarckturmes ein neuer hölzerner 28 Meter hoher Turm errichtet. Der Eintritt ist frei. Parkplätze vorhanden.
- Südlich des Großen Plöner Sees sollte die Kamera stets schussbereit sein. Neben Berlin warten kuriose Ortsnamen wie z. B. Weitewelt und Grönland darauf entdeckt und abgelichtet zu werden.
- In Bosau am Großen Plöner See kann die 850 Jahre alte aus Feldsteinen errichtete Vicelin-Kirche St. Petri besucht werden. Sie ist eines der ältesten Gotteshäuser im Land.
- Das Café Chrome in Lensahn ist der Bikertreff Ostholsteins. Einfach mal  zwischendurch auf einen Pott Kaffee und einen leckeren Burger vorbei schauen und dabei die perfekt polierten Bikes der Kollegen bestaunen. Mai bis Oktober täglich von 12 bis 22 Uhr geöffnet.
- Wo die Holsteinische Schweiz am hügeligsten ist, ragt die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins, der Bungsberg, mit 168 Metern in den Himmel. Hier entspringt auch die Schwentine, einer der längsten Flüsse des Landes. Parkplätze am Funkturm.

Holsteinische Schweiz quer Startpunkt
Schloßplatz 5
23701 Eutin