Ein Paukenschlag

1785 wurde der klassizistische Backsteinbau am Markt zum Palais für die Witwe des Herzogs umgebaut – allerdings nie von ihr genutzt, da sie vor der Fertigstellung starb. Danach wurde das Gebäude von der Stadtverwaltung multifunktionell genutzt: Als Rathaus, Nachtwächterstube, für deren Arrestzellen, als Lager … und auch als Wohnung, z.B. für Eutins berühmten Einwohner Johann Heinrich Voß, den Dichter, Denker und Homer-Übersetzer.

Zu Vossens Zeit im Witwenpalais gibt es folgende kleine Anekdote: Eines Abends suchte das Ehepaar Voß vergeblich nach dem Namen eines kürzlich gehörten Musikstückes. Plötzlich erscholl ein Heidenlärm aus anderen Räumen des Hauses. Arrestanten waren in das Instrumentenlager eingedrungen und hatten die im Hause gelagerten Trommeln und Trompeten der Gilde entdeckt. Da erinnerte sich Voß sogleich wieder an den Namen des gesuchten Werkes und sagte zu seiner Ernestine: „Es war Haydns Sinfonie mit dem Paukenschlag.“

Übrigens: Von Johann Heinrich Voß weiß man, dass er gern im Morgenmantel am Schreibtisch saß – gerne auch den Tag über, wovon ihn seine Ehefrau Ernestine natürlich abzuhalten suchte.